Professorengehalt W3, W2, W1 – Besoldungsstufen in der Professur
Die Besoldung von Professoren in Deutschland folgt einer eigenen inneren Logik, die sich deutlich von klassischen Gehaltssystemen der Privatwirtschaft unterscheidet. Ausgangspunkt ist nicht die individuelle Arbeitsleistung im engen Sinn, sondern das übertragene Amt. Mit der Berufung auf eine Professur wird eine klar definierte Funktion im Hochschulsystem übernommen, verbunden mit Rechten, Pflichten und einer staatlich festgelegten Vergütung. Die sogenannte W-Besoldung bildet dafür seit den frühen 2000er-Jahren den zentralen Rahmen. Sie löste die frühere C-Besoldung ab und sollte stärker leistungsbezogene Elemente ermöglichen, ohne die Grundidee der Amtsangemessenheit aufzugeben.
Wichtig ist dabei das Verständnis, dass W1, W2 und W3 keine Karriereleiter im klassischen Sinne darstellen, sondern unterschiedliche Professurtypen mit jeweils eigener Zielsetzung. Die Besoldungsstufe sagt zunächst nichts über die „Qualität“ einer Person aus, sondern beschreibt die institutionelle Rolle, den Verantwortungsumfang und die strukturelle Einbindung. Genau darin liegt der oft übersehene Mehrwert des Systems: Es schafft klare, nachvollziehbare Rahmenbedingungen, die wissenschaftliche Unabhängigkeit sichern sollen und gleichzeitig bundesweit vergleichbar bleiben, auch wenn die konkrete Ausgestaltung in der Hand der Bundesländer liegt.
W1 – Juniorprofessur als Qualifikations- und Bewährungsphase
Die W1-Besoldung ist eng mit der Juniorprofessur verbunden und markiert den formalen Einstieg in das Professorenamt. Sie richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich nach der Promotion weiter qualifizieren und eine eigenständige akademische Rolle entwickeln sollen. Anders als klassische Professuren ist die W1-Position in der Regel befristet, häufig auf sechs Jahre, teils mit Zwischenevaluation. Diese zeitliche Begrenzung prägt auch die Vergütung. Das Grundgehalt liegt spürbar unter dem von W2 und W3, ist aber bewusst oberhalb klassischer Postdoc-Stellen angesiedelt.
Die W1-Besoldung erfüllt damit eine doppelte Funktion. Einerseits signalisiert sie den Status als Professor mit eigenständiger Lehr- und Forschungsaufgabe. Andererseits macht sie klar, dass es sich um eine Phase der Weiterentwicklung handelt, nicht um eine endgültige Position. Leistungsbezüge spielen bei W1 eine geringere Rolle als in den höheren Stufen, sind aber nicht ausgeschlossen. Das Gehalt soll ausreichend sein, um Unabhängigkeit zu ermöglichen, ohne den Charakter einer Qualifikationsstelle zu verlieren. In der Praxis ist W1 daher weniger ein finanzielles Ziel als ein struktureller Zwischenschritt auf dem Weg zu einer dauerhaften Professur.
W2 – Die tragende Säule der regulären Professur
Die W2-Besoldung bildet das Rückgrat der deutschen Professorenschaft. Sie ist die am weitesten verbreitete Besoldungsstufe, insbesondere an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, aber auch an Universitäten. W2-Professuren sind in der Regel unbefristet und mit einem klar definierten Aufgabenprofil verbunden. Der Schwerpunkt liegt häufig auf der Lehre, ergänzt durch Forschung, akademische Selbstverwaltung und Transferaktivitäten. Das Grundgehalt ist so bemessen, dass es eine langfristige Existenzsicherung bietet und die besondere Verantwortung des Amtes widerspiegelt.
Charakteristisch für W2 ist der Gestaltungsspielraum innerhalb eines festen Rahmens. Zwar bleibt das Grundgehalt konstant, doch Leistungsbezüge können es deutlich erhöhen. Diese zusätzlichen Zahlungen honorieren besondere Leistungen, etwa in der Forschung, in der Studiengangsentwicklung oder in Leitungsfunktionen. Dadurch entsteht eine gewisse Dynamik, ohne das System beliebig zu machen. Für viele Professoren ist W2 nicht nur eine Zwischenstufe, sondern eine bewusste und dauerhafte Position, die fachliche Arbeit, institutionelle Stabilität und persönliche Planbarkeit miteinander verbindet.
W3 – Professur mit herausgehobener Stellung und Verantwortung
Die W3-Besoldung steht für Professuren mit besonders hoher institutioneller Bedeutung. Sie ist häufig mit Leitungsaufgaben, ausgeprägter Forschungsorientierung oder strategischer Verantwortung verbunden. An Universitäten ist W3 die typische Besoldungsstufe für ordentliche Professuren (Universitätsprofessuren), insbesondere in forschungsstarken Disziplinen. Das höhere Grundgehalt spiegelt nicht nur die individuelle Qualifikation wider, sondern vor allem die Erwartungen an Sichtbarkeit, Drittmittelakquise, Nachwuchsförderung und akademische Führung.
In der Praxis bedeutet W3 nicht automatisch weniger Lehre, sondern oft eine andere Gewichtung. Forschung und Repräsentation nehmen mehr Raum ein, ebenso die Mitgestaltung hochschulpolitischer Prozesse. Leistungsbezüge spielen hier eine besonders große Rolle. Sie können einen erheblichen Anteil des Gesamteinkommens ausmachen und werden häufig im Rahmen von Berufungs- oder Bleibeverhandlungen vereinbart. W3 ist damit weniger ein linearer Karriereschritt als eine spezifische Rolle, die eine hohe Bindung an die Institution und deren strategische Ziele voraussetzt.
Vergleich der Besoldungsstufen: Geld, Rolle und Perspektive
Auf den ersten Blick unterscheiden sich W1, W2 und W3 vor allem durch die Höhe des Grundgehalts. Dieser Vergleich greift jedoch zu kurz. Jede Besoldungsstufe steht für ein eigenes Rollenverständnis innerhalb des Hochschulsystems. W1 ist auf Entwicklung angelegt, zeitlich begrenzt und eng an wissenschaftliche Qualifikation gekoppelt. W2 steht für Kontinuität, Lehre und institutionelle Stabilität. W3 markiert strategische Verantwortung und akademische Sichtbarkeit. Diese Unterschiede wirken sich nicht nur finanziell aus, sondern prägen den gesamten Berufsalltag.
Auch die Einkommensentwicklung folgt unterschiedlichen Mustern. Während W1 kaum langfristige Steigerungen vorsieht, eröffnet W2 moderate Spielräume über Leistungsbezüge. W3 bietet die größten finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten, ist aber auch mit höheren Erwartungen verbunden. Wer die Besoldungsstufen verstehen will, sollte sie daher nicht isoliert betrachten, sondern als Teil eines Systems, das Verantwortung, Aufgabenprofil und Vergütung bewusst miteinander verknüpft.
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