HAW-Professur – Anwendungsorientierte Lehre und Forschung

Die Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften ist von Beginn an anders angelegt als an klassischen Universitäten. Sie ist weniger auf abstrakte Theorie, dafür deutlich stärker auf die berufliche Realität ausgerichtet. Genau hier liegt ihr Kern. HAW-Professorinnen und -Professoren bringen in der Regel mehrere Jahre außerhochschulische Berufserfahrung mit. Diese Erfahrung ist kein dekorativer Zusatz, sondern strukturelle Voraussetzung. In der Lehre zeigt sich das unmittelbar. Inhalte werden nicht entlang reiner Lehrbuchlogik entwickelt, sondern aus realen Problemstellungen heraus. Studierende lernen nicht nur, was fachlich korrekt ist, sondern warum bestimmte Lösungen in der Praxis funktionieren oder scheitern. Das erzeugt eine besondere Form von Glaubwürdigkeit, die sich nicht simulieren lässt.

Die Professur wird damit zur Übersetzungsinstanz zwischen Theorie und Anwendung, zwischen akademischer Erkenntnis und industrieller oder gesellschaftlicher Nutzung. Genau diese Übersetzungsleistung macht den besonderen Mehrwert der HAW-Professur aus.

Lehre mit Anwendungsbezug als zentrales Qualitätsmerkmal 

Die Lehre an Hochschulen für angewandte Wissenschaften folgt einem klaren Prinzip: Wissen soll nutzbar werden. Das bedeutet nicht Vereinfachung, sondern Kontextualisierung. Lehrveranstaltungen sind häufig projektbasiert, praxisnah und dialogorientiert. Studierende arbeiten an Fallbeispielen, die aus Unternehmen, Verwaltungen oder Forschungseinrichtungen stammen. Dadurch verändert sich auch die Rolle der Professur. Sie ist weniger reine Wissensquelle, sondern zunehmend Moderatorin, Einordner und fachliche Sparringspartnerin.

Diese Form der Lehre fordert ein hohes Maß an didaktischer Flexibilität. Inhalte müssen so aufbereitet werden, dass sie theoretisch sauber und gleichzeitig praktisch anschlussfähig sind. Prüfungsformate spiegeln das wider. Statt reiner Reproduktion von Wissen stehen Problemlösung, Transferfähigkeit und methodisches Denken im Vordergrund. Die HAW-Professur trägt hier eine besondere Verantwortung, da sie Studierende gezielt auf konkrete Berufsfelder vorbereitet. Der enge Austausch mit der Praxis sorgt dafür, dass Lehrinhalte aktuell bleiben und nicht an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbeigehen. So entsteht eine Lehre, die nicht nur informiert, sondern befähigt.

Anwendungsorientierte Forschung mit konkretem Nutzen

Forschung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften folgt einer eigenen Logik. Sie entsteht häufig aus konkreten Fragestellungen externer Partner und zielt auf umsetzbare Ergebnisse. Dabei geht es weniger um Grundlagenforschung im klassischen Sinne, sondern um die Weiterentwicklung bestehender Technologien, Prozesse oder Konzepte. Die HAW-Professur übernimmt hier eine vermittelnde Rolle zwischen wissenschaftlicher Methodik und praktischer Umsetzung.

Typisch sind kooperative Forschungsprojekte mit Unternehmen, Kommunen oder sozialen Einrichtungen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht einen direkten Wissenstransfer in beide Richtungen. Unternehmen profitieren von wissenschaftlicher Tiefe, die Hochschule von realen Anwendungsfeldern. Drittmittel spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie Forschungsfreiheit und Infrastruktur sichern. Gleichzeitig bleibt der Anspruch wissenschaftlicher Qualität bestehen. Ergebnisse müssen nachvollziehbar, überprüfbar und belastbar sein. Der Erfolg dieser Forschung misst sich nicht allein an Publikationen, sondern an ihrer Wirkung. Neue Produkte, verbesserte Prozesse oder gesellschaftliche Innovationen sind sichtbare Resultate einer Forschung, die ihren Ursprung in der Praxis hat.

Berufliche Voraussetzungen und Profilbildung der Professur

Der Weg zur HAW-Professur unterscheidet sich deutlich von universitären Karrierepfaden. Neben einer abgeschlossenen Promotion ist vor allem die mehrjährige Berufserfahrung außerhalb der Hochschule entscheidend. Diese Anforderung prägt das Profil der Professur nachhaltig. Fachliche Expertise entsteht nicht nur durch Forschung, sondern durch Anwendung unter realen Bedingungen. Das beeinflusst auch die persönliche Haltung zur Lehre und Forschung.

Die formalen Anforderungen an eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften sind im Hochschulrecht der Bundesländer geregelt. Auch wenn sich Details von Land zu Land unterscheiden, sind die Grundprinzipien bemerkenswert einheitlich. Ziel dieser Regelungen ist es, sicherzustellen, dass HAW-Professorinnen und -Professoren sowohl wissenschaftlich qualifiziert als auch tief in der beruflichen Praxis verankert sind. Die Professur ist ausdrücklich nicht als reine Forschungslaufbahn konzipiert, sondern als dauerhaftes Bindeglied zwischen akademischer Wissensproduktion und außerhochschulischer Anwendung.

Eine abgeschlossene Promotion ist die zentrale wissenschaftliche Mindestanforderung für eine HAW-Professur. Sie ist zwingend erforderlich und nicht verhandelbar. Mit der Promotion wird nachgewiesen, dass die Bewerberin oder der Bewerber in der Lage ist, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten, komplexe Fragestellungen methodisch fundiert zu bearbeiten und Ergebnisse nachvollziehbar darzustellen. Dabei ist es unerheblich, ob die Promotion an einer Universität im In- oder Ausland erworben wurde, solange sie anerkannt ist.

Die wohl prägendste Voraussetzung für eine HAW-Professur ist die mehrjährige berufliche Praxis außerhalb des Hochschulbereichs. In der Regel werden mindestens fünf Jahre Berufserfahrung verlangt, von denen mindestens drei Jahre außerhalb von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen erbracht worden sein müssen. Diese Zeit muss nach Abschluss der Promotion liegen und inhaltlich klar dem Fachgebiet der Professur zuzuordnen sein.