Honorarprofessur – Praxisnahe Expertise für Lehre und Wissenschaft

Die Honorarprofessur verbindet akademische Lehre mit beruflicher Praxis auf besondere Weise. Sie richtet sich an ausgewiesene Persönlichkeiten außerhalb der klassischen Hochschullaufbahn, die ihr Fachwissen in Studium und Wissenschaft einbringen möchten. Dieser Ratgeber erklärt, was eine Honorarprofessur ausmacht, welche Voraussetzungen gelten und welchen Mehrwert sie bietet.

Was ist eine Honorarprofessur?

Eine Honorarprofessur ist ein akademischer Titel, der von einer Hochschule an externe Expertinnen und Experten verliehen wird. Honorarprofessorinnen und Honorarprofessoren sind nicht hauptberuflich an der Hochschule angestellt, sondern üben ihre Lehrtätigkeit neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit aus – meist unentgeltlich oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung.

Der Titel würdigt langjährige, qualifizierte Lehrleistungen sowie besondere Verdienste um Wissenschaft, Forschung oder Praxis.

Ziel und Rolle der Honorarprofessur

Brücke zwischen Theorie und Praxis

Zentrales Ziel der Honorarprofessur ist es, praxisnahe Expertise in die akademische Lehre zu integrieren. Studierende erhalten dadurch Einblicke in:

  • aktuelle berufliche Praxis
  • reale Anwendungsfälle
  • außeruniversitäre Karrierewege
  • Stärkung der Anwendungsorientierung

Gerade in angewandten Disziplinen wie:

  • Wirtschaft
  • Recht
  • Medizin
  • Ingenieurwissenschaften
  • Sozial- und Kulturwissenschaften

trägt die Honorarprofessur wesentlich zur Anwendungsorientierung von Studium und Forschung bei.

Voraussetzungen Honorarprofessur

Fachliche und berufliche Qualifikation

Typische Voraussetzungen sind:

  • ein abgeschlossenes Hochschulstudium
  • herausragende berufliche Leistungen über mehrere Jahre
  • besondere fachliche Reputation

Eine Promotion ist häufig erwünscht, aber nicht immer zwingend erforderlich, sofern die fachliche Exzellenz anderweitig nachgewiesen wird.

Lehrtätigkeit und Hochschulbindung

In der Regel müssen Bewerberinnen und Bewerber:

  • über mehrere Jahre regelmäßig Lehrveranstaltungen an der Hochschule durchgeführt haben
  • didaktische Eignung nachweisen
  • eine enge Bindung zur Hochschule aufgebaut haben

Auch wenn es auf den ersten Blick überrascht: Eine Honorarprofessur ist nicht zwingend an einen klassischen Bildungsweg mit Abitur gebunden. Entscheidend ist weniger der schulische Werdegang als vielmehr die langjährige fachliche Leistung, berufliche Reputation und kontinuierliche Lehrtätigkeit an einer Hochschule. Gerade bei Honorarprofessuren steht die Praxisexpertise im Vordergrund – insbesondere in Bereichen wie Wirtschaft, Management oder Unternehmertum. Was oft als „ohne große Bildung“ wahrgenommen wird, meint in der Realität meist ohne Abitur oder ohne Promotion, nicht jedoch ohne Qualifikation. Viele erfolgreiche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft haben alternative Bildungswege eingeschlagen, etwa über berufliche Ausbildung, unternehmerische Praxis oder internationale Karriereverläufe. Teilweise haben sie später über den sogenannten dritten Bildungsweg studiert, teilweise beruht ihre Anerkennung nahezu ausschließlich auf außergewöhnlichen beruflichen Leistungen und ihrer Fähigkeit, dieses Wissen über Jahre hinweg in der Lehre weiterzugeben.

In Deutschland sind die formalen Anforderungen allerdings vergleichsweise streng und meist an einen Hochschulabschluss gekoppelt. Im Ausland hingegen sind die Regelungen oft deutlich flexibler, sodass dort auch bekannte Wirtschaftsgrößen ohne Abitur oder klassische akademische Laufbahn zu Honorarprofessoren ernannt wurden. Diese Fälle sind zwar selten, zeigen aber, dass der Titel kein reines Produkt formaler Bildung ist, sondern vor allem eine Anerkennung außergewöhnlicher fachlicher und praktischer Expertise darstellt.

Vorteile der Honorarprofessur

Für die Hochschule

  • Zugang zu aktueller Praxisexpertise
  • Stärkung von Praxis- und Wirtschaftsbezug
  • Ausbau externer Netzwerke
  • Attraktiveres Lehrangebot

Für Honorarprofessorinnen und Honorarprofessoren

  • Akademische Anerkennung der beruflichen Leistung
  • Möglichkeit zur Wissensweitergabe
  • Imagegewinn und fachliche Sichtbarkeit
  • Enge Anbindung an Forschung und Nachwuchsförderung
  • Herausforderungen und Grenzen

Auch die Honorarprofessur bringt Herausforderungen mit sich:

  • begrenzte zeitliche Ressourcen durch Hauptberuf
  • meist geringe oder keine Vergütung
  • klare Trennung zwischen Praxisinteressen und akademischer Neutralität erforderlich

Ein realistischer Zeitaufwand und transparente Rollenklärung sind daher essenziell.

Abgrenzung zur Gast- und außerplanmäßigen Professur

Die Honorarprofessur unterscheidet sich von anderen Professorentiteln:

  • Gastprofessur: zeitlich befristet, oft institutionell angebunden
  • Außerplanmäßige Professur (apl.): akademische Laufbahn mit Habilitation
  • Honorarprofessur: praxisorientiert, nebenberuflich, ohne reguläre Anstellung