S-Professur – Strategische Spitzenposition für exzellente Forschung und Lehre

Die S-Professur, häufig ausgeschrieben als „Strategische Professur“ oder „Schwerpunktprofessur“, ist keine klassische Besoldungs- oder Statuskategorie, sondern ein hochschulinternes Instrument der gezielten Profilbildung. Sie wird dort eingesetzt, wo Hochschulen bewusst Schwerpunkte setzen wollen – fachlich, strukturell oder auch reputationsstrategisch. Anders als reguläre Professuren ist sie fast immer mit einem klar definierten Auftrag verbunden, der über das individuelle Fach hinausweist. Es geht um Sichtbarkeit, um Hebelwirkung, um den Versuch, wissenschaftliche Exzellenz nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu steuern.

Der Begriff ist nicht einheitlich normiert. Genau darin liegt eine erste Ambivalenz. Für manche Hochschulen ist die S-Professur ein Prestigeformat, für andere ein Steuerungswerkzeug, für wieder andere ein pragmatischer Versuch, knappe Ressourcen gezielt einzusetzen. Diese begriffliche Offenheit macht das Modell anschlussfähig, aber auch erklärungsbedürftig.

Historischer und hochschulpolitischer Kontext

Die Entstehung der S-Professur ist eng mit den Umbrüchen im deutschen Hochschulsystem seit den frühen 2000er-Jahren verbunden. Mit der Einführung von New Public Management, leistungsorientierter Mittelvergabe und wettbewerblichen Förderprogrammen verschob sich der Fokus spürbar. Hochschulen sollten nicht mehr nur Orte der Wissensbewahrung sein, sondern Akteure im globalen Wettbewerb. Exzellenzinitiative, Hochschulpakte und internationale Rankings haben diese Entwicklung beschleunigt.

In diesem Umfeld entstand der Bedarf nach flexibleren Personalinstrumenten. Die klassische Universitätsprofessur, einmal eingerichtet und auf Jahrzehnte angelegt, erschien vielen Entscheidungsträgern zu träge. Die S-Professur bot eine Antwort. Sie versprach Beweglichkeit, strategische Steuerbarkeit und die Möglichkeit, neue Forschungsfelder schneller zu besetzen. Kritiker sprechen hier von einer Ökonomisierung akademischer Karrieren, Befürworter von notwendiger Modernisierung.

Strategische Bedeutung im Hochschulsystem

S-Professuren sind fast immer an institutionelle Ziele gekoppelt. Sie sollen Forschungsschwerpunkte aufbauen, interdisziplinäre Verbünde initiieren oder internationale Kooperationen verstetigen. In vielen Fällen sind sie Teil größerer Transformationsprozesse, etwa beim Aufbau neuer Fakultäten oder bei der Neuausrichtung ganzer Standorte.

Dabei fungiert die S-Professur häufig als Knotenpunkt. Sie verbindet Drittmittelprojekte mit Nachwuchsförderung, Lehre mit Transfer, Wissenschaft mit gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Diese Bündelung von Erwartungen macht die Position einflussreich, aber auch anspruchsvoll. Wer eine solche Professur übernimmt, bewegt sich selten im geschützten Raum des reinen Fachs, sondern im Spannungsfeld institutioneller Interessen.

Anforderungen und Auswahlmechanismen

Die Anforderungen an eine S-Professur sind meist höher und zugleich diffuser als bei regulären Berufungen. Exzellente Publikationsleistungen gelten als Voraussetzung, reichen aber selten aus. Erwartet werden Führungsstärke, strategisches Denken und die Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen. Nicht selten spielt auch persönliche Passung eine Rolle, ein Aspekt, der offiziell kaum benannt wird, in der Praxis aber relevant ist.

Die Auswahlverfahren sind formell oft identisch mit klassischen Berufungen, informell jedoch stärker vorgeprägt. Zielprofile existieren früh, teilweise bevor eine Ausschreibung veröffentlicht wird. Das kann Effizienz schaffen, wirft aber Fragen nach Transparenz und Chancengleichheit auf. Gerade hier zeigt sich die Doppelgesichtigkeit der S-Professur als Steuerungsinstrument und als potenzieller Machtfaktor.

Rolle der S-Professur in der Forschung

In der Forschung soll die S-Professur Wirkung entfalten. Sie ist häufig mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet, sei es in Form von Personalstellen, Start-up-Mitteln oder privilegiertem Zugang zu Infrastruktur. Diese Ausstattung schafft Freiräume, die klassische Professuren nicht immer haben. Forschung kann hier schneller wachsen, größere Risiken eingehen und ambitioniertere Projekte verfolgen.

Gleichzeitig entsteht ein Erwartungsdruck. Drittmittelakquise wird nicht nur gewünscht, sondern vorausgesetzt. Die Freiheit der Forschung, ein hohes Gut akademischer Selbstverständnisse, gerät damit in ein neues Spannungsverhältnis. Forschung folgt stärker strategischen Linien, was Innovation fördern kann, aber auch blinde Flecken erzeugt.