Exzellenzindikatoren im Berufungsverfahren für Professuren

Exzellenz ist im Berufungsverfahren kein modischer Begriff, sondern ein funktionales Arbeitsinstrument. Hochschulen müssen Entscheidungen treffen, die fachlich tragen, rechtlich belastbar sind und langfristig wirken. Exzellenzindikatoren helfen dabei, Leistungen vergleichbar zu machen, ohne sie zu simplifizieren. Sie strukturieren den Blick der Kommission und übersetzen individuelle Laufbahnen in nachvollziehbare Kriterien.

Wichtig ist: Exzellenz wird nicht isoliert gemessen, sondern im Kontext eines konkreten Profils. Was als exzellent gilt, hängt vom Fach, vom Hochschultyp und von den strategischen Zielen ab. Deshalb ist Exzellenz im Verfahren immer relational. Sie entsteht im Abgleich zwischen Personen und Anforderungen, nicht im luftleeren Raum. Diese Logik erklärt, warum scheinbar identische Leistungen unterschiedlich bewertet werden können, ohne willkürlich zu sein.

Forschungsexzellenz: Tiefe, Eigenständigkeit und Sichtbarkeit

Forschungsexzellenz ist häufig der sichtbarste Exzellenzindikator, aber auch der komplexeste. Publikationen dienen als primärer Nachweis wissenschaftlicher Qualität, doch ihre Bewertung geht über reine Zählung hinaus. Entscheidend ist die Frage nach Eigenständigkeit. Wer prägt die Themen, wer setzt Impulse, wer trägt Verantwortung? Eine erkennbare Forschungslinie, die sich über mehrere Arbeiten hinweg entfaltet, signalisiert Tiefe und strategisches Denken.

Drittmittel werden oft als zusätzlicher Indikator herangezogen, nicht wegen der Summe, sondern wegen der dahinterstehenden Begutachtung. Sie zeigen, dass Forschungsideen auch außerhalb der eigenen Institution überzeugen. Internationale Kooperationen und Sichtbarkeit verstärken diesen Eindruck. Forschungsexzellenz entsteht dort, wo Qualität, Konsistenz und Anschlussfähigkeit zusammenkommen.

Lehrexzellenz: Qualität der Vermittlung und didaktische Reflexion

Lehrexzellenz wird im Berufungsverfahren zunehmend differenziert betrachtet. Es geht nicht mehr nur darum, ob jemand lehren kann, sondern wie. Exzellente Lehre zeigt sich in durchdachten Konzepten, klaren Lernzielen und der Fähigkeit, Studierende aktiv einzubinden. Didaktische Reflexion spielt dabei eine zentrale Rolle.

Wer Lehrformate weiterentwickelt, Feedback integriert und Inhalte curricular verankert, signalisiert professionelles Lehrverständnis. Auch die Wirkung über einzelne Veranstaltungen hinaus zählt. Beiträge zur Studiengangsentwicklung oder innovative Lehransätze können Exzellenz sichtbar machen. Gerade in Verfahren mit starkem Lehrfokus ist diese Dimension gleichrangig mit Forschung. Lehrexzellenz wird so zu einem eigenständigen Indikator, der das Gesamtbild abrundet.

Transfer, Praxisbezug und gesellschaftliche Wirkung

In vielen Berufungsverfahren gewinnen Transferleistungen an Bedeutung. Exzellenz zeigt sich hier in der Fähigkeit, wissenschaftliches Wissen wirksam in andere Kontexte zu übersetzen. Das kann durch Kooperationen mit Wirtschaft, Verwaltung oder Zivilgesellschaft geschehen, aber auch durch anwendungsorientierte Forschung oder öffentliche Kommunikation.

Entscheidend ist die Qualität der Verbindung, nicht ihre Lautstärke. Exzellenter Transfer ist strukturiert, nachhaltig und fachlich fundiert. Er zeigt, dass Forschung nicht nur produziert, sondern verantwortungsvoll eingesetzt wird. Für Hochschulen ist diese Dimension besonders relevant, weil sie gesellschaftliche Wirkung sichtbar macht. Transferexzellenz ergänzt klassische Indikatoren und erweitert das Verständnis von akademischer Leistung.

Akademische Persönlichkeit und institutionelle Passung

Neben messbaren Leistungen spielt die akademische Persönlichkeit eine zentrale Rolle. Berufungsverfahren suchen nicht nur brillante Einzelkämpfer, sondern Personen, die Verantwortung übernehmen und institutionell wirken können. Engagement in der Selbstverwaltung, Leitungserfahrung oder Beiträge zur akademischen Gemeinschaft werden als Indikatoren gelesen. Sie zeigen, ob jemand bereit ist, über das eigene Fach hinaus zu denken.

Auch die Passung zur Hochschule ist ein Exzellenzindikator, wenn auch ein leiser. Wer fachlich stark ist, aber nicht anschlussfähig wirkt, wird es schwerer haben. Exzellenz im Berufungsverfahren bedeutet daher auch, Teil eines größeren Ganzen sein zu können. Diese Dimension ist schwer quantifizierbar, aber für die langfristige Qualität der Professur entscheidend.