14.02.2025

Tenure-Track-Professur (TTP) im deutschen Wissenschaftssystem stößt auf hohe Akzeptanz

Wie IDW-Online berichtet, stößt die Tenure-Track-Professur (TTP) im deutschen Wissenschaftssystem auf eine hohe Akzeptanz und weist eine dynamische Entwicklung auf. Grundlage dieser Einschätzung ist der jüngst veröffentlichte Bundesbericht „Wissenschaftlerinnen & Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase“ (BuWiK) sowie eine begleitende Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und des Instituts für Hochschulforschung (IHF).

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Der BuWiK analysiert umfassend die Karrierewege, Beschäftigungsbedingungen und Zukunftsperspektiven von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in frühen Karrierephasen in Deutschland. Ergänzend dazu untersucht die Begleitstudie speziell die Tenure-Track-Professur als vergleichsweise neuen Karriereweg. Die Ergebnisse zeigen laut IDW-Online, dass dieses Modell sowohl von den Bundesländern und Hochschulen als auch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern positiv aufgenommen wird.

Demnach sind inzwischen mehr als 40 Prozent der Juniorprofessuren in Deutschland als Tenure-Track-Stellen ausgestaltet. Das entspricht rund 1.300 Positionen, die bei erfolgreicher Bewährungsphase eine dauerhafte Perspektive auf eine Lebenszeitprofessur eröffnen. Die Studie mit dem Titel „Etablierung des Karrierewegs der Tenure-Track-Professur im deutschen Wissenschaftssystem“ stellt fest, dass die Zahl der Tenure-Track-Professuren zwischen 2018 und 2022 deutlich gewachsen ist. In diesem Zeitraum habe sich ihre Anzahl auf 1.336 Stellen verdoppelt.

Nach Angaben von IDW-Online sind Tenure-Track-Professuren inzwischen in allen Fächergruppen vertreten. Besonders stark verbreitet sind sie in den Naturwissenschaften sowie in der Humanmedizin. Der Ausbau dieses Karrierewegs geht vor allem zulasten von Juniorprofessuren ohne Tenure-Track sowie von Leitungspositionen für Nachwuchsgruppen. Dies deutet laut Studie auf eine strukturelle Umgestaltung der wissenschaftlichen Personalentwicklung an Hochschulen hin. Zudem zeigt sich, dass der Frauenanteil bei Tenure-Track-Professuren höher ist als bei anderen wissenschaftlichen Qualifikationswegen.

Ein weiterer Befund der Begleitstudie betrifft die Rolle der Bundesländer. In den vergangenen Jahren haben alle Länder rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen für die Tenure-Track-Professur geschaffen und ihre Hochschulgesetze entsprechend angepasst. Ziel ist es, wissenschaftliche Karrierewege transparenter und besser planbar zu machen. Gleichwohl verweist IDW-Online darauf, dass es weiterhin länderspezifische Unterschiede bei der konkreten Ausgestaltung gibt. Positiv hervorgehoben wird, dass die meisten Bundesländer inzwischen Verlängerungsoptionen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Familienaufgaben eingeführt haben, um die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Elternschaft zu verbessern.

Auf Ebene der Hochschulen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede im Detail. Nicht alle Universitäten haben den Tenure-Track verbindlich in ihren Satzungen geregelt. Dort, wo entsprechende Regelungen existieren, variiert deren Ausgestaltung teils erheblich. Dies kann die Transparenz und Planbarkeit individueller Karriereverläufe erschweren. In der Praxis dient der Tenure-Track an den meisten Hochschulen vor allem der Weiterentwicklung der Juniorprofessur und richtet sich überwiegend an Professorinnen und Professoren der Besoldungsstufen W1 oder W2. Direkte Übergänge aus der Leitung von Nachwuchsgruppen oder durchgängige Karrierepfade bis hin zu einer W3-Professur sind nach Angaben der Studie bislang die Ausnahme.

Teilweise ist der Tenure-Track zudem an strategische Konzepte einzelner Universitäten gekoppelt, etwa an Exzellenzstrategien. In solchen Fällen richtet sich das Instrument gezielt an als besonders leistungsstark oder „exzellent“ eingestufte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

IDW-Online weist außerdem darauf hin, dass die Tenure-Track-Professur in Deutschland nicht eins zu eins dem angloamerikanischen Modell entspricht. Die Ausgestaltung ist stark geprägt durch nationale Besonderheiten, insbesondere durch die Professur als Beamtenverhältnis und das Fehlen alternativer unbefristeter Stellen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. Auch im europäischen Vergleich zeigen sich Unterschiede: In einigen Ländern, etwa in den Niederlanden, wurden Tenure-Track-Modelle teilweise wieder abgeschafft und durch andere Formen unbefristeter Beschäftigung wie sogenannte Career-Tracks ersetzt.

Zusammenfassend kommt die Begleitstudie laut IDW-Online zu dem Ergebnis, dass sich die Tenure-Track-Professur im deutschen Wissenschaftssystem inzwischen als relevanter Karriereweg etabliert hat. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf eine bundesweit einheitliche, transparente und verlässliche Ausgestaltung dieses Instruments.

Quelle: IDW Online