26.11.2025

Stellenstreichungen an Hochschulen befürchtet

Die nordrhein-westfälischen Hochschulen stehen vor finanziell schwierigen Zeiten. Nach dem aktuellen Entwurf der Landesregierung für den Landeshaushalt 2026 sollen Universitäten und Fachhochschulen künftig mit spürbar weniger Geld auskommen. Der von der schwarz-grünen Koalition eingeschlagene Sparkurs sorgt bei Hochschulleitungen, Beschäftigten und Studierenden gleichermaßen für große Besorgnis, da erhebliche Auswirkungen auf Lehre, Forschung und Infrastruktur befürchtet werden.

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Besonders deutlich zeichnen sich Einschnitte im Personalbereich ab. Universitäten und Studierendenvertretungen warnen davor, dass die geplanten Kürzungen mittelfristig zu einem deutlichen Abbau von Stellen führen könnten. Betroffen wären dabei nicht nur Professuren, sondern vor allem der sogenannte wissenschaftliche Mittelbau – also wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die häufig in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind. Johannes Wessels, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Nordrhein-Westfalen und Rektor der Universität Münster, machte gegenüber der „Rheinischen Post“ deutlich, dass genau diese Beschäftigtengruppe besonders stark unter den Sparmaßnahmen leiden dürfte.

Nach Einschätzung Wessels’ wird ein Rückgang des Personals zwangsläufig negative Folgen für den Hochschulalltag haben. Schon jetzt sei das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden vielerorts angespannt. Weitere Stellenstreichungen würden diese ohnehin schwierige Betreuungsrelation weiter verschlechtern. Seminare und Vorlesungen könnten nicht mehr im bisherigen Umfang angeboten werden, die Lehrkapazitäten würden sinken und in der Folge auch die Vielfalt und Qualität der Studienangebote leiden. Studierende müssten sich auf größere Seminargruppen, weniger individuelle Betreuung und eingeschränkte Wahlmöglichkeiten einstellen.

Doch nicht nur Lehre und Forschung wären betroffen. Auch zentrale Service- und Unterstützungsbereiche der Hochschulen könnten laut Wessels nicht verschont bleiben. Angebote wie Studienberatung, Maßnahmen zur Internationalisierung oder Investitionen in die IT-Sicherheit stünden auf dem Prüfstand und müssten möglicherweise zurückgefahren werden. Da die Kürzungen bereits zum 1. Januar 2026 greifen sollen, sehen sich viele Hochschulen gezwungen, kurzfristig zu reagieren. In der Praxis könnte das bedeuten, dass geplante Bau- und Sanierungsvorhaben verschoben, notwendige Investitionen gestoppt und laufende oder geplante Forschungsprojekte verzögert oder ganz aufgegeben werden.

Hintergrund der aktuellen Debatte sind die bevorstehenden Beratungen über den Landeshaushalt 2026 im nordrhein-westfälischen Landtag, die ab Mittwoch beginnen. Nach den Plänen der Landesregierung soll die Grundfinanzierung der Hochschulen um insgesamt 120 Millionen Euro gekürzt werden. Das Wissenschaftsministerium verweist darauf, dass dies rund 2,3 Prozent der für 2026 vorgesehenen Hochschulgrundfinanzierung von insgesamt etwa fünf Milliarden Euro entspricht. Aus Sicht der Hochschulen ist diese Kürzung jedoch alles andere als geringfügig. Seit Wochen äußern sie öffentlich Kritik und warnen vor langfristigen Schäden für den Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.

Auch auf Seiten der Studierenden wächst die Sorge vor einer spürbaren Verschlechterung der Studienbedingungen. Katrin Greiner vom nordrhein-westfälischen Landes-ASten-Treffen erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“, dass insbesondere Stellen für studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeitende gefährdet seien. Diese spielten jedoch eine zentrale Rolle im Studienalltag, etwa bei der Betreuung von Übungen, in Tutorien oder bei der Unterstützung von Lehrveranstaltungen. Gleichzeitig sei damit zu rechnen, dass sich die Zahl der Studierenden pro Seminar weiter erhöhe, was die Lernbedingungen zusätzlich verschlechtere.

Darüber hinaus warnen Studierendenvertreterinnen und -vertreter vor sozialen Folgen der Sparmaßnahmen. Sollten Beratungs- und Unterstützungsangebote eingeschränkt werden, könne dies bestehende Ungleichheiten weiter verschärfen. Besonders hart treffe dies Studierende, die nicht aus akademischen oder finanziell gut abgesicherten Familien stammen. Für sie seien Angebote wie Studienberatung oder soziale Unterstützung oft entscheidend, um erfolgreich durch das Studium zu kommen. Kürzungen in diesen Bereichen könnten daher nicht nur individuelle Bildungswege gefährden, sondern auch die Chancengleichheit an den Hochschulen insgesamt untergraben.

Quelle: Welt.de