21.08.2025

Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den Strafverteidiger Dr. Ingo Bott wegen des Verdachts des Missbrauchs von Titeln

Wie das juristische Online-Magazin Legal Tribune Online (LTO) berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Strafverteidiger Ingo Bott wegen des Verdachts des Missbrauchs von Titeln. Hintergrund ist ein Streit über die Darstellung akademischer Ehrentitel auf der Internetseite seiner Kanzlei. Die Staatsanwaltschaft bestätigte LTO auf Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren nach § 132a Absatz 1 Nummer 1 des Strafgesetzbuches (StGB) eingeleitet wurde.

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]

Der Vorwurf bezieht sich darauf, dass Bott sich auf der Kanzleihomepage bis zum 19. August 2025 als „Prof. Dr. Dr. Ingo Bott“ bezeichnet haben soll. Unstreitig ist, dass Bott einen regulären Doktortitel an der Juristischen Fakultät der Universität Passau erworben hat. Der Professorentitel sowie ein weiterer Doktortitel wurden ihm jedoch ehrenhalber von zwei Hochschulen in Peru verliehen. Erst nach Anklicken seines Namens sei auf der Webseite eine detailliertere Bezeichnung erschienen, die ihn als „Prof. h.c.* Dr. Dr. h.c.** Ingo Bott“ auswies. Die Sternchen verwiesen auf die Universidad Tecnológica del Perú sowie die Universidad Nacional de Piura in Peru.

Auslöser der öffentlichen Diskussion war laut LTO ein Facebook-Beitrag des Passauer Strafrechtsprofessors Holm Putzke. Dieser hatte am 19. August 2025 die Führung der Ehrentitel als „nicht korrekt“ bezeichnet. Anlass dafür war nach Angaben von LTO eine Anfrage der „Bild“-Zeitung zu Botts Titelführung.

Ingo Bott selbst äußerte sich im Anschluss über das berufliche Netzwerk LinkedIn zu den Vorwürfen. In seiner Stellungnahme stellte er einen Zusammenhang mit seiner aktuellen medienwirksamen Tätigkeit als Verteidiger der Unternehmerin Christina Block her, die sich in einem Verfahren wegen der mutmaßlichen Entführung ihrer Kinder verantworten muss. Er erklärte, es sei für ihn „völlig in Ordnung“, wenn Dritte versuchten, von der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um das Verfahren zu profitieren. Zugleich betonte Bott, er kenne Professor Putzke nicht persönlich und habe diesem vergeblich ein Gesprächsangebot unterbreitet.

Zur Einleitung des Ermittlungsverfahrens erklärte Bott nach Angaben von LTO, er sei zuversichtlich, dass sich die von der Staatsanwaltschaft aufgeworfene Frage der formalen Darstellung zeitnah klären lasse. Er verwies zudem auf eine frühere öffentliche Erklärung, wonach er seit Dezember 2021 Ehrenprofessor der Universidad Tecnológica del Perú sei, einer Hochschule mit Standorten unter anderem in Lima, Piura und Arequipa.

Weiter führte Bott aus, dass er für die betreffenden peruanischen Hochschulen sowohl online als auch vor Ort tätig sei. Den Ehrendoktortitel habe er im Mai im Rahmen eines internationalen Strafrechtskongresses erhalten. Beide Ehrentitel bezeichnete er als rechtmäßig und äußerte, er sei stolz auf diese Auszeichnungen. Nach seiner Darstellung werde nicht die Berechtigung der Titel selbst infrage gestellt, sondern ausschließlich die Art und Weise ihrer Darstellung.

Wie LTO weiter berichtet, hat Bott inzwischen reagiert und Änderungen an seiner Kanzleihomepage veranlasst. Er habe sein Team angewiesen, die Darstellung der Titel an die von Professor Putzke vertretene Auffassung anzupassen. Zugleich stellte Bott klar, dass diese Anpassung keine Anerkennung der geäußerten Rechtsansicht oder der Person Putzkes bedeute. Vielmehr erfolge der Schritt aus pragmatischen Gründen, da ihm derzeit die Kapazitäten für eine umfassende rechtliche Prüfung fehlten und um weitere öffentliche Debatten zu vermeiden.