10.06.2025

Göttinger Wissenschaftler mit der Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet worden

Wie das Göttinger Tageblatt berichtet, ist der Göttinger Wissenschaftler Prof. Reinhard Maurer mit der Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um den höchstdotierten Forschungspreis in Deutschland. Die Auszeichnung ist mit fünf Millionen Euro ausgestattet, die über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung gestellt werden. Finanziert wird die Professur aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel des Preises ist es, international herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler langfristig an deutsche Forschungseinrichtungen zu binden.

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Die Alexander von Humboldt-Professur gilt als eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland und wird häufig als eine Art „deutscher Nobelpreis“ bezeichnet. Sie richtet sich an Forschende, die auf ihrem Gebiet international Maßstäbe gesetzt haben und von denen weitere wissenschaftliche Impulse mit großer Reichweite erwartet werden.

Prof. Reinhard Maurer forscht im Bereich der computergestützten Materialwissenschaften. Sein Schwerpunkt liegt auf der theoretischen Beschreibung und Simulation molekularer Prozesse an Oberflächen und in Materialien. Nach Angaben der Georg-August-Universität Göttingen verbindet Maurer dabei Methoden aus der theoretischen Chemie mit modernen Verfahren des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz. Ziel ist es, chemische Reaktionen und Materialeigenschaften präzise vorherzusagen, ohne ausschließlich auf zeit- und kostenintensive Experimente angewiesen zu sein.

Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist die Entwicklung neuartiger KI-gestützter Algorithmen, mit denen sich Molekülstrukturen berechnen lassen, die für bestimmte chemische Eigenschaften oder Reaktionsverläufe erforderlich sind. Mithilfe sogenannter Deep-Learning-Methoden können dabei große Datenmengen aus Experimenten oder Simulationen ausgewertet und genutzt werden, um Vorhersagen über bislang unbekannte Systeme zu treffen. Die Universität bezeichnet diesen Ansatz als grundlegend neu und als wichtigen Schritt hin zu einer datengetriebenen Material- und Chemieforschung.

Nach Einschätzung von Fachleuten reicht die Bedeutung dieser Forschung über die theoretische Chemie hinaus. Da ähnliche Fragestellungen auch in der Physik, der Biologie oder der Materialwissenschaft auftreten, gelten Maurers Methoden als breit anwendbar. Entsprechend hebt Prof. Melina Schuh, geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (MPI-NAT), hervor, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sehr unterschiedlichen Disziplinen von seinen Arbeiten profitieren könnten. Seine Nominierung habe daher eine Strahlkraft, die weit über den Forschungsstandort Göttingen hinausreiche, zitiert das Göttinger Tageblatt.

Mit der Auszeichnung ist für Maurer auch eine strategische Aufgabe verbunden. Künftig soll er am CampusInstitut Data Science (CIDAS) der Universität Göttingen eine international sichtbare Plattform für den Bereich „Scientific AI and Predictive Modelling“ aufbauen. Ziel ist es, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen – von der theoretischen Chemie über die Physik bis hin zur Bioinformatik – zusammenzuführen und neue interdisziplinäre Forschungsansätze zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Vorhersage komplexer naturwissenschaftlicher Prozesse.

Nominiert wurde Reinhard Maurer gemeinsam von der Universität Göttingen und dem Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. In der Begründung wird er als Pionier bei der Anwendung von Methoden des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz in der theoretischen Chemie bezeichnet. Die Alexander von Humboldt-Professur soll ihm nun ermöglichen, seine Forschung weiter auszubauen und neue Impulse für die datengetriebene Naturwissenschaft zu setzen.

Quelle: Göttinger Tageblatt